Wehrturm

Wehrturm vom Park aus gesehen

Der wohl im 14. Jahrhundert erbaute und 1455 erstmalig urkundlich erwähnte Wehrturm ist nur ein kleiner Teil der ehemaligen Beckumer Festungs­anlage. Sie bestand aus einem geschlossenen Mauerring mit insgesamt 22 Türmen und einer Wallanlage - die zwischen 2 Wallgräben lag - mit umfangrei­chen Vorwerken vor den vier Stadttoren. Wenn man am Turm hoch schaut, kann man sich ein Bild von der Höhe und Mächtigkeit der Stadtmauer machen. Dort ist an der südlichen Seite der Maueransatz noch gut zu erkennen, während an der nördlichen Seite, in etwa 10 Metern Höhe der ehemalige Eingang zu sehen ist, denn der Turm war ausschließlich über die Wehrmauer zu begehen. Das Untergeschoß diente als Depot und Kerker und war nur (mit Leiter) durch eine Bodenluke zu erreichen.

 

Über den Namen des Turmes herrscht Unklarheit, denn während Dr. Wilhelm Schulte ihn auf einem mittelalterlichen Stadtgrundriss als Lonnenturm bezeichnet, erscheint ein anderer Name wahrscheinlicher, denn in diesem Bereich wird auch der Name „Westener-Schweineherden- oder Scheipersturm“ (Schäferturm) erwähnt, was wiederum auf die nahe liegende Schweinemersch (Wiesen im Überschwemmungsbereich am Westteich) hindeutet. Der Lonnenturm hingegen, war offensichtlich Teil der um­fangrei­chen Westtoranlage, denn eines seiner drei Tore hieß - wohl nach einem Anwohner - „Johann Lonen Porten“ und ein Wall nannte sich „Johann Lonen Wal“. Da eine Toranlage in der Re­gel mehrere Türme umfasste, erscheint diese Annahme nicht abwegig.

 

Genau zwischen dem West- und Südtor gelegen, begann am Turm das zum Westtor gehörige Vorwerk mit seinen Schanzen, was auf dem Kup­ferstich von Merian noch deutlich zu erkennen ist. Ein Vorwerk, auch Rondell genannt, war – wie schon der Name sagt – eine zusätz­liche Verteidigungsanlage vor dem Stadttor.

 

Der südlich vom Turm gelegene Abhang, in Verbindung mit dem Fluss­lauf der Werse, war möglicherweise Teil des südlichen Vorwerks und schützte das eigentlicher Südtor, wo auch die Bummelke, als einzi­ger städtischer Abwasserkanal mündete und somit eine exponierte Stelle in der Stadtverteidigung bildete.

 

 

Als Anfang der 1960er Jahre der Heimatverein unter Vorsitz von Studiendirektor Leo Winter die Turmruine instand setzen wollte, gab es viele Gegenstim­men die den Abbruch forderten. Doch unbeirrt gelang von 1962 bis 1964 die Ausführung der umfangreichen Renovierungsarbeiten. Im restaurierten Wehrturm ist seitdem ein großer Teil der vereinseigenen heimatkundlichen Sammlung zu besichtigen. Seit 1986 sind allerdings die bedeutenderen Objekte als Dauerleihgabe im Stadtmuseum ausgestellt.

 

1998 musste der Turm erneut restauriert werden. Die ungünstigen klimatischen Bedingungen machten eine Verlegung vor allem des Archivbestandes erforderlich; heute befindet sich die dauernd erweiterte, sehr umfangreiche archivalische Sammlung im Dormitorium. Die verbliebene heimatkundliche Sammlung (Fossilien, Torbalken, Ofenplatten, haus- und landwirtschaftliche Objekte sowie Militaria) ist im ersten sowie dritten Geschoss zu besichtigen. Das mittlere Geschoss steht heute für unterschiedliche Anlässe wie z. B. Versammlungen und Stadtführungen zur Verfügung.

 

 

Der Wehrturm in der Beckumer Denkmalliste

 


Ansprechpartner:
Herr Franz-Josef Laukemper, Telefon: 0 25 21 – 12 35 2

Nachstehend können Sie den Wehrturm virtuell besuchen.