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Heimat- und Geschichtsverein
für Beckum und die Beckumer Berge e.V.

   
 

Beckumer Anschläge:

Jans der SteinkühlerEs gibt wohl kein Land in der Welt in dem nicht ein Ort zu einem Schauplatz von Narrengeschichten geworden ist. Meine Heimatstadt Beckum nimmt hier einen bevorzugten Platz in Deutschland ein.
Wer hat nicht schon mal den Ausspruch gehört: Das ist ein echter Beckumer!

Viele dieser Anschläge und lustigen Begebenheiten sind im Laufe der Zeit aufgeschrieben und auch veröffentlicht worden. So erschien zum Beispiel 1940 in dem Beckumer Verlag Bernard Vogel  ...

"Eine Sammlung von wunderseltsamen, abenteuerlichen und unerhörten Geschichten und Taten eines seit Adams Zeiten bekannten und berühmten Volkes"

Vorwort und Geschichte der "Beckumer Anschläge"

Es setzt ein großes Stück Lebensweisheit voraus, die geeigneten Mittel und Wege zu finden und anzuwenden, um sich durch die Grillen und Launen des Schicksals nicht niederdrücken zu lassen, den Widerwertigkeiten des Lebens wohlgemut zu begegnen und sich die Lebensfreude durch nichts zu vergällen. Lebensfreude bedeutet Lebensenergie, den Weg zum erfolgreichen Schaffen, zum sozialen Erfolg. Diese Philosophie ist alte Lebensweisheit, aus der die Stadt der „Anschläge“ eine Tugend machte. Sie hat dem Humor immer einen besonderen Platz eingeräumt. Das beweisen die uralten und weit bekannten „Beckumer Anschläge“.

Es war im Jahre 1697, als man bei einer Abschiedsfeier des Münsterschen Gymnasiums zu Ehren des Beckumer Studenten Topp in einer ulkigen Schüleraufführung längst bekannte „Beckumer Anschläge“ in singbare Strophen gekleidet hatte, um durch ihren Vortrag den Humor aufs höchste zu steigern. Ein besonderes Verzeichnis wies auch hin auf die steinalten Sammlungen im Raritäten-Kabinett des Beckumer Rathauses, das damals noch die von aller Welt bewunderten Schuhe von Adams Großmutter enthielt, in denen sie ihren ersten Hochzeitstanz ausführte. Ein besonderes Schaustück war ein in Pergament eingewickeltes Krümchen des salbenartigen Stoffes, der aus einem Schwalbenneste in die Augen des alten Tobias gefallen war. Leider hat der Zahn der Zeit das meiste zerstört; nur ein Knochen des Hai, der den Jonas verschlang, soll noch erhalten sein. Nicht unerwähnt sei es, daß bis in die neueste Zeit in Beckum der Stiefel des römischen Feldherrn Varus aufbewahrt wurde, der vor Zeiten im Havixbrock in der Nähe des Hermannsknapps, unweit der 5000 jährigen Germanengräber, aufgefunden wurde. Der Fund wurde beim Wirt Stephan Jürgens würdig „begossen“; der damals verliehene Ehrenname des Wirtes „Stiefeljürgens“ hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Nach diesen traditionellen Nachrichten müssen die humorvollen Ahnen der Beckumer Bürger und mit ihnen die weltbekannten „Beckumer Anschläge“ bis in die Anfänge aller Zeiten und Torheiten zurückreichen.

Was Schilda mit seinen Schildbürgerstreichen den Sachsen, Schöppenstedt dem Lande Braunschweig, Dülmen dem Rheinland, Teterow Mecklenburg, Buxtehude den Bewohnern der Waterkante bedeutet, was Krähwinkel in der ganzen deutschen Literatur vorstellt, das gilt Beckum im Herzen Westfalens für seine Heimatprovinz und deren Umgegend. Erhaltene Dokumente bestätigen diese Tatsache.

Seit über 300 Jahren – im Jahre 1619 – war den Beckumern zu Ohren gekommen, daß zu Ostenfelde Zechgesellen in einer Bierstube erzählt hatten, die Beckumer Ratsherren pflegten in „Holschen“ zu Rate zu gehen, hinkten daher bei allen Dingen hintenan und ließen sich in puncto Anschläge von Ahlen und anderen Orten übertölpen. Da schwoll den „Ehrbaren, Hoch- und Wohlgelahrten“ – damals juristischen – Bürgermeister der Stadt Beckum und seinem Kollegen Jürgen Schleiff der Kamm, und sie machten den Leuten mit ihren bösen Zungen den Prozeß, um die Ehre der Schildbürger zu retten. – Das war einmal. – Zumeist – und stets in der Folgezeit – haben die Beckumer Bürger die ihnen spöttisch angedichteten und selbst erfundenen Geckendaten mit Vergnügen aufgenommen als köstliche Lachpillen für den eigenen und fremden Humor und die Schwänke verzeichnet als würzig duftende Literaturblüten, die nur in wenigen Städten Deutschlands Herz und Gemüt erfreuen.

Der Geschichtsschreiber Johann Diedrich von Steinen verrät 1742 (in der Zeit der „vernünftigen Aufklärung“) noch eine andere Auffassung, wenn er zu Hobbelings Beschreibung des Stifts Münster von dem Städtchen Beckum erwähnt: „Da sonsten an diesem Orte ebenjawohl als an anderen recht vernünftige Leute wohnen, kann ich nicht fassen, woher das alberne Sprüchwort entstanden, daß närrische Anschläge Beckemsche Anschläge genennet werden“, und er fügt hinzu, es sei doch der 50. Abt von Loccum, der Gelehrte Theodor Strake (1600 geboren) aus der Stadt Beckum gebürtig gewesen. – Der Pfarrer Johann Moriz Schwager aus Jöllenbeck bei Bielefeld beklagt sich 1804 in seiner Beschreibung einer Reise durch Westfalen über die Beschimpfung Beckums durch die Anschläge, weiß aber nicht, daß die biederen Beckumer noch 1772 dem Münsterschen Landesherrn und Kurfürsten von Köln Bischof Max Friedrich und seinem Minister v. Fürstenberg, die die Stadt Beckum mit ihrem Besuche beehrt hatten, eine besondere Freude damit zu machen versuchten, sie mit den alten Beckumer Berühmtheiten und Anschlägen näher bekannt zu machen. Vielleicht hat es der gute Pastor noch miterlebt, wie 1833 die Münstersche Karnevalsgesellschaft „Freudental“ gerade die „Beckumer Anschläge“ zum Hauptthema ihrer höchst witzigen und zugleich geistvollen Faschingszeitung gemacht hatten. Humoristisch hervorragend ist darin die Darstellung der Beckumer Sage vom Kaiserbesuche. Um nicht nur mit einer Turmglocke der Freude des Besuches Ausdruck zu geben, sollte laut besonderem Dekret jeder Bürger Beckums eine Turmkappe mit Schellen tragen. Der erfreute Kaiser verlieh den Beckumer Schildbürgern das Privileg zum Tragen der Schellenkappen. Das Zeitblatt (Münsterischer Merkur) brachte damals zum ersten Male das Lied vom Beckumer Rathaus-Pütt, das der Justizkommissar Ludorf zu Münster im Jahre 1834 dichtete, illustrierte diese und andere ansprechenden Sagen Beckums mit treffsicheren Bildern, die künftig in künstlerischen Variationen ihre Runde machten durch alle Gaue Deutschlands. Sie zierten als erste Glanzstücke die hervorragendsten Notgeldschein-Kataloge Deutschlands (gedruckt in Leipzig); die mit den Beckumer Sagen illustrierten Stadtgeldscheine der Stadt Beckum waren nachweislich begehrt in Antwerpen, Belgrad und Stockholm.

Um die Popularität der Beckumer Schwänke haben sich vor mehr als 100 Jahren die Moritaten- und Bänkelsänger Flör und Kösters verdient gemacht. Der erblindete Maurer „Flörken“ begleitete mit seiner Geige und der musikalische Kösters mit seinem Cello das bekannte „Lied vom Beckumer Pütt“ und verkauften es in ganz Westfalen mit dem zugehörigen Bilde für einen Silbergroschen.

Von der Entstehung des Beckumer Rathauses.

 
 

 
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